Denkschrift anlässlich der Einweihung der 25-m-Raumschießanlage
19. August 2022
Der Traditionsverein der Sportschützen in Gengenbach blickt auf 36 Jahre Vereinsleben mit Höhen und Tiefen zurück.
Aus einer Initiative der Bürgergarde Gengenbach, die den sportlichen Wettkampf in den Mittelpunkt stellen wollte, wurde am 14. November 1986 der Sportschützenverein Gengenbach e. V. ins Leben gerufen.
Die Gründung und der Aufbau des Vereins
Von Anbeginn an erhielten die Mitglieder Unterstützung durch die Stadt Gengenbach. Im September 1987 stellte die Stadt dem Verein das Grundstück am Ziegelwald zur Errichtung eines Schützenhauses zur Verfügung.
Was folgte, war eine Aufbruchstimmung, in der nicht nur das heutige Schützenhaus, sondern auch ein 35 × 14 Meter großer Schießkeller tief in der Erde errichtet wurde.
Lediglich etwa 40 Vereinsmitglieder standen unablässig und bei jeder Witterung bereit, um Schritt für Schritt in Eigenarbeit dieses gewaltige Bauvorhaben zu stemmen.
Trainingsbetrieb, Erfolge und schwierige Jahre
Das Bauvorhaben schritt rasch voran und bald konnte bereits der Trainings- und Wettkampfbetrieb aufgenommen werden. Angespornt durch gute sportliche Erfolge ließ jedoch das Engagement bei der Fertigstellung des Schießkellers nach, während der Schuldenberg ständig anwuchs.
Nach wenigen Jahren verursachte Hochwasser schwere Schäden im tiefgelegenen Pistolenstand, sodass dieser bald nicht mehr genutzt werden konnte.
Dies führte auch bei den Mitgliedern zu einem Nachlassen der Aktivitäten und letztlich zu Abwanderungen. Der Verein stand zeitweise sogar vor der Insolvenz.
Nur durch massive Unterstützung seitens der Stadt Gengenbach, der Volksbank und durch persönliche Bürgschaften einiger Mitglieder konnte eine Insolvenz abgewendet werden.
Mit einer großartigen Spendenbereitschaft wurde anschließend der Weg der Entschuldung beschritten, der im Jahr 2020 schließlich erfolgreich abgeschlossen werden konnte.
Ein neuer Generationenwechsel
Inzwischen hatte ein Generationenwechsel in der Mitgliedschaft stattgefunden. Die meisten Gewehrschützen hatten sich in den Ruhestand verabschiedet, während eine neue Gruppe von überwiegend Pistolenschützen zunehmend sportliche Erfolge bei Wettkämpfen errang.
Aus dieser Gruppe heraus entstand zunehmend der Wunsch, neben dem Luftpistolenstand auch den 25-m-Stand im Schießkeller wieder zu reaktivieren, um ein breiteres sportliches Spektrum an Disziplinen trainieren zu können.
Die Sanierung des Schießkellers
Im Jahr 2014 – noch mitten in der bestehenden Verschuldungssituation – wurde begonnen, den großen unterirdischen Schießkeller vollständig zu sanieren und auf ein wettkampftaugliches Niveau zu bringen.
Dazu wurde der gesamte Komplex 4,20 Meter tief ausgegraben. Eine Drainage mit automatischen Pumpanlagen wurde installiert und die Betonkonstruktion vollständig von außen isoliert.
Der Innenbereich wurde komplett entkernt. Anschließend erfolgte die Installation einer neuen, zeitgemäßen und den Anforderungen der Beschusssicherung entsprechenden Elektroanlage, die gleichzeitig den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz Rechnung trägt.
Auch die Zuganlage, mit der die Scheiben zwischen Schützen- und Zielbereich hin- und herbewegt werden, wurde technisch erneuert.
Eine leistungsfähige Lüftungsanlage sorgt dafür, dass Pulverschmauch und Bleistaub vom Schützenstand abgesaugt werden.
Ein weiterer wesentlicher Punkt waren die Schallschutzmaßnahmen. Sie dämpfen den kritischen Geschossknall und ermöglichen damit auch den Gebrauch stärkerer Kaliber.
Gleichzeitig war es ein wichtiges Anliegen, die Aufenthaltsqualität bestmöglich zu gestalten. Durch eine abgestimmte Farbgebung und Oberflächengestaltung wurde eine Atmosphäre geschaffen, in der sich Schützen und Zuschauer gleichermaßen wohlfühlen können.
Zehn Schützen – 25 Meter – vielfältige Disziplinen
Die Raumschießanlage bietet heute Platz für 10 Schützen gleichzeitig.
Auf 2 × 5 Schießbahnen mit jeweils 25 Metern Länge können sowohl Präzisions- als auch Duelldisziplinen parallel oder versetzt durchgeführt werden.
Die Beschusssicherungen erlauben eine Geschossenergie von bis zu 1,5 kJ. Damit ist die Anlage für die gebräuchlichen Wettkampfmunitionen von Kaliber .22 l.r. bis .45 ACP ausgelegt.
Wettkampfgeschehen hautnah erleben
Außerhalb des Schützenstandes befindet sich ein akustisch abgekoppelter Zuschauerbereich. Von dort aus kann das Wettkampfgeschehen durch mehrere Fenster verfolgt werden.
Aufgrund der unterirdischen Lage dringen keine Emissionen nach außen. Dadurch bestehen auch keine zeitlichen Beschränkungen für den Trainings- und Wettkampfbetrieb.
Die Entwicklung des Sportschützenvereins Gengenbach zeigt, was mit Zusammenhalt, persönlichem Engagement, Durchhaltevermögen und gemeinsamer Verantwortung erreicht werden kann.
Aus den schwierigen Anfangsjahren ist eine moderne Raumschießanlage entstanden, die heute den Schießsport in Gengenbach nachhaltig unterstützt und den Mitgliedern zeitgemäße Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten bietet.